Olympus OM-D

Dank des Olympus Photography Playground hatte ich die Chance endlich eine OM-D auszuprobieren. Die Kamera ist zwar schon etwas älter, aber besonders die Größe/Gewicht im Verhältnis zur Bildqualität soll ja sehr gut sein. Rein optisch ist die Kamera m.E. genial, schön Retro und superbe Haptik.

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Handling:
Im Vergleich zu meiner D800 ist die OM-D geradezu winzig und verschwindet in meinen großen Händen. Dennoch lag die Kamera gut in der Hand und bot ausreichend Grip. Die OM-D bietet zwei Einstellräder, die relativ dicht bei einander positioniert sind. Gerade am Anfang vertauscht man die Räder leicht, aber man gewöhnt sich schnell um. Im Allgemeinen fällt auf, dass die Kamera sehr wenig Buttons mit Direktfunktion hat. Dies kommt einem im ersten Augenblick als krasser Nachteil gegenüber eine "größeren" DSLR vor. Fast alle essentiellen Einstellungen (z.B. ISO oder Bildqualität) müssen über das Menü aufgerufen werden. Hier kommt jedoch der Vorteil des elektronischen Suchers zum tragen. Auch mit der Kamera am Auge kann das Menü (selbst mit großen Händen) einfach aufgerufen werden, dabei wird die jeweilige Menüfunktion als Overlay im Sucherbild eingeblendet. Nach kurzer Eingewöhnungszeit kann man so wirklich schnell arbeiten. Den so hoch gelobten, ausklappbaren Touchscreen habe ich allerdings als recht überflüssig empfunden.

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Performance:
Starten wir mit dem Negativen…die Einschaltzeit sowie die Aufweckzeit aus dem Standby empfinde ich im Jahr 2013 als Zumutung. Gefühlt wartet man nach dem Standby ca. 1-2 Sekunden auf die Kamera, was mit Sicherheit am elektronischen Sucher liegt. Extrem kurz erschien mir auch die Batterielebensdauer. Nach ca. zwei Stunden und 180 Aufnahmen machte mein Akku schon schlapp, ob dies dem elektronischen Sucher oder dem Demogerät geschuldet war kann ich nicht beurteilen, ich hoffe es war letzteres. 

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Nun zum Positiven…der elektronische Sucher ist wirklich gut und bietet den enormen Vorteil, dass Änderungen an den Einstellungen wie Blende oder Verschlusszeit in Echtzeit im Sucherbild bemerkbar sind. Gerade in ungünstigen Belichtungssituationen ist das ein echter Vorteil. Dennoch ist solch ein Sucher m.E. noch nicht gut genug um einen (guten) optischen Sucher zu schlagen, gerade in dunklen Räumen wird das Bild laggy und rauschig. Man kann aber erkennen wohin die Entwicklung geht, der hybrid Sucher der Fuji X-Pro 1 macht es vor. Der Autofokus ist schnell und meistens treffsicher (auch in dunklen Räumen), kann aber dennoch mit meiner D800 nicht mithalten. Für eine Mirrorless Camera ist er wirklich gut und eignet sich auch für schnelle Action-Aufnahmen. Klasse fand ich, dass das Fokusfeld frei im Sucherbild positionierter ist, auch an den extremen äußeren Ecken.

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Ebenfalls überrascht war ich von der Bildqualität. Die Basisempfindlichkeit des Sensors liegt bei Iso 200 und kann eigentlich als rauschfrei beschrieben werden. Bis Iso 1600 würde ich im Alltag die Kamera ohne Bedenken einsetzten, aber auch höhere Iso-Einstellungen können bei der richtigen Belichtung problemlos gewählt werden. Unten mal ein 100% Crop ungeschärft und unbearbeitet bei Iso 4000. Ich hatte bei einer Micro-Four-Thrids schlimmeres erwartet…:)

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Mein Fazit fällt überraschend positiv aus. Für ca. 90% der Fotosituationen würde ich die Kamera als "gut genug" einstufen. Die Bildqualität ist sehr gut, und die Auflösung sollte in den meisten Fällen ausreichen. Die Verarbeitung ist hervorragend und der Body ist nach Olympus-Angabe sehr gut gegen Spritzwasser geschützt. Besonders eingehen möchte ich auf den Größenvorteil, hier wohnen zwei Herzen in meiner Brust. Den Platz den die OM-D und das Kit-Zoom im Fotorucksack brauchen, nimmt allein der Body meiner D800 ein. Man kann sich also ein extrem kleines und leistungsstarkes System aufbauen, das einem nicht einen krummen Rücken beschert. Preist man die daraus resultierenden weniger hohen Anforderungen an ein Stativ ein, so scheint alles für die Kamera zu sprechen. Dennoch, so fasziniert ich von der OM-D war, so wenig konnte sie mit der Haptik, der Bedienung oder der Bildqualität meiner D800 mithalten. Sollte ich jedoch mal als Backpacker unterwegs sein, so würde ich definitiv lieber zur OM-D greifen.